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Das ICOLD Symposium "Benefits and Concerns about Dams" in Dresden

Zusammenfassung und Bewertung

Die Quintessenz der Vorträge und der anschließenden Diskussionen lässt sich wie folgt zusammenfassen:

  1. Der WCD- Bericht stellt eindeutig fest, dass Talsperren eine der wichtigen Werkzeuge für die Entwicklung der Wohlfahrt eines Landes bleiben (Kader Asmal).
  2. Der WCD- Bericht ist gedacht als Empfehlung, nicht als zwingende Regelungsvorschrift, "blue print" o.ä. (Kader Asmal: "Our guidelines offer guidance – not a regulatory framework. They are not laws to be obeyed rigidly".)
  3. Niemand sollte den Bericht der WCD so verstehen, als ob beabsichtigt wäre, die Rechte und Pflichten souveräner Regierungen zur Förderung der Wohlfahrt ihrer Länder zu untergraben (Kader Asmal). Dies stellt auch die Weltbank fest (vgl. The World Bank Position on the Report of the World Commission on Dams, www.worldbank.org/water ).
  4. Die Weltbank hat den WCD- Bericht eingehend in ihren Gremien bewertet. Sie folgt verschiedentlich den Empfehlungen nicht, unter Hinweis auf ihre eigenen Erfahrungen. Abweichende Strategien verfolgt sie (vgl. www.worldbank.org/water ) zu folgenden Themen:
    • bei der Projektvorbereitung und hinsichtlich der Beteiligung Dritter
    • hinsichtlich unfreiwilliger Umsiedlungen
    • hinsichtlich eingeborener Völker
    • hinsichtlich internationaler Wasserwege
  5. Die Konsultationen der Weltbank in allen Teilen der Welt, nach der Veröffentlichung des WCD- Berichts, haben ergeben, dass die kritische Diskussion über Talsperren nicht losgelöst von den jeweiligen örtlichen Bedingungen geführt werden darf. Dies wird dem WCD- Bericht vorgehalten (Alessandro Palmieri).
    • Für aride Länder (z.B. Jordanien oder Nordost Brasilien) sind Talsperren eine Frage von Sein oder Nichtsein.
    • Für Länder, welche von Trockenheiten bedroht werden (Teile von Brasilien, China, Äthiopien, Jordanien, Thailand), verschaffen Talsperren Flexibilität bei der Bewirtschaftung sehr unterschiedlicher Abflüsse.
    • Für Länder mit geringem Volkseinkommen, die über Wasser und Fallhöhe verfügen (Äthiopien, Laos, Nepal), ist die Nutzung der Wasserkraft einer der wenigen Wege zum wirtschaftlichen Wachstum.
    • Für andere Länder (z.B. China) ist Hochwasserschutz ein hohes Gut.
  6. ICOLD, viele seiner nationalen Komitees und viele Experten der Weltbank halten die WCD- Empfehlungen für nicht praxisgerecht. Sie seien zu abgehoben und trügen den praktischen Problemen nicht genügend Rechnung. Insbesondere wird der von WCD empfohlene Mitwirkungsprozess bei der Auswahl der technischen Lösung oder möglicher Alternativen in der vorgeschlagenen allgemeinen Form als nicht durchführbar angesehen. Es sei schlechterdings unmöglich, mit einem kaum zu definierenden Kreis von auch nur potentiell Betroffenen komplexe politische, technische oder wirtschaftliche Probleme mit Aussicht auf eine Einigung zu erörtern.

  7. Die Art des Mitwirkungsprozesses nach den Vorstellungen des WCD- Berichts würde unbezweifelbar zu Verzögerungen bei der Verwirklichung von Projekten führen und dadurch private Investoren abstoßen.

  8. Es müssen daher Wege gefunden und getestet werden, um die WCD- Empfehlungen praxisgerecht umzusetzen.

  9. Der Vollständigkeit halber ist anzumerken, dass einzelne Länder (z.B. Turfan für die Türkei) den WCD- Bericht vollständig ablehnen.

Vor dem ICOLD Symposium standen Grundsatzpositionen einander unversöhnlich gegenüber, danach war die Tür zum Dialog geöffnet, wenigstens einen Spalt weit. Naturgemäß wird die Verständigung zwischen diametral entgegengesetzten Auffassungen nicht durch eine Tagung allein erfolgen. Jedoch, beide Seiten werden lernen – und sie werden wieder und weiter miteinander sprechen.

 

P. Rißler