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DTK Aktuell 20.08.2002

Eine Talsperre läuft über

In der aktuellen Hochwasserkatastrophe in den östlichen Bundesländern berichten die Medien zuweilen auch darüber, dass eine Talsperre übergelaufen ist und knüpfen daran den zumindest unterschwelligen Vorwurf, hier sei etwas falsch gemacht worden.

Dem ist nicht so. Der Überlauf einer Talsperre ist ein ganz gewöhnlicher Vorgang. Die Talsperre bzw. ihre Hochwasserentlastungsanlage ist hierfür bemessen.

Natürlich versucht der Talsperrenbetreiber bei so prekären Lagen, wie sie derzeit in Ostdeutschland herrschen, ein Überlaufen der Talsperre zu verhindern. Ob dies gelingt, hängt jedoch ausschließlich vom Füllungsstand der Talsperre zu Beginn des Hochwassers und vom Verhältnis Zufluss/Speichergröße ab, beides Größen, die aktuell nicht beeinflusst werden können. Ein großer und nahezu leerer Speicher hat mehr Pufferwirkung als ein kleiner und zu Beginn bereits nahezu voller.

Allerdings puffert auch eine Talsperre, die bereits überläuft, noch die Hochwasserwirkung ab. Auf jeden Fall wirkt die Talsperre also im Sinne des Hochwasserschutzes positiv.

Dies hängt mit der natürlichen Retentionswirkung jedes Speichers zusammen.

Extremhochwasser 2002 - Retention

Läuft eine Hochwasserwelle mit dem zeitlich veränderlichen (zunächst ansteigenden) Zufluss Qz in den bis zum Stauziel (bis zur Höhe der Überlaufkante) gefüllten Speicher, so beginnt die Hochwasserentlastungsanlage erst allmählich an zu entlasten (Qa), nämlich dann, wenn sich ein gewisser Überstau h eingestellt hat. Dem Überstau h entspricht ein in der Sperre zurückgehaltenes Wasservolumen h · A. Bei weiter steigendem Zufluss Qz wächst auch der Abfluss Qa, jedoch immer geringer als der Zufluss. Der Zusammenhang ist im Q-t- Diagramm unten links skizziert. Erst nach dem Überschreiten des Zuflussmaximums HQbz wird das Abflussmaximum HQba erreicht und zwar dann, wenn der Zufluss genau so groß ist wie der Abfluss.

Das Verhältnis HQba/HQbz verdeutlicht die Retentionswirkung, die Teilfläche (1) das vorübergehend im Speicher zurückgehaltene Wasservolumen A · hmax.