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Talsperren bewahrten Dresden vor Trinkwasserkollaps

Die extremen Niederschläge am 12./13. August 2002 im Erzgebirge verursachten Flutwellen in den osterzgebirgischen Zuflüssen der Elbe mit teilweise verheerenden Schäden. Nach dem Rückgang dieser Hochwasserabflüsse wurde in den Medien mehrfach der Vorwurf erhoben, die Landestalsperrenverwaltung des Freistaates Sachsen habe die Talsperren falsch bewirschaftet, so dass diese keine Schutzwirkung für die Unterlieger entfalten konnten. Häufig wird dabei die Auffassung vertreten, die Talsperren hätten vor dem Auftreffen der Hochwasserwelle entleert werden müssen.

Dem muss allerdings deutlich widersprochen werden. Ist dies doch schon in den wenigen Stunden vom Niederschlagsereignis bis zum Auftreffen des Hochwassers auf die Talsperren, aus rein technischen Gründen nicht möglich, da sich so eine Entleerung über mehrere Tage erstrecken würde. Außerdem darf eine Absenkung des Stauspiegels einer Talsperre kein Hochwasser im Unterlauf der jeweiligen Gewässer verursachen. Entscheidend aber ist, dass die Trinkwassertalsperren wichtige Versorgungsaufgaben zu erfüllen haben. So bedienen die osterzgebirgischen Talsperren Klingenberg und Lehnmühle die Landeshauptstadt Dresden über das Wasserwerk Coschütz, das der DREWAG-Stadtwerke Dresden GmbH gehört. Beide Talsperren stauen die Wilde Weißeritz (das Wasser für das Wasserwerk Coschütz wird der Talsperre Klingenberg entnommen, die oberhalb gelegene Talsperre Lehnmühle ist ein Vorspeicher).

Weder in der Presse, im Rundfunk oder im Fernsehen, die täglich voll waren mit Berichten über die Katastrophen, ist berichtet worden, dass ohne die Trinkwassertalsperren des Osterzgebirges die Trinkwasserversorgung der Landeshauptstadt Dresden zusammengebrochen wäre.

Nachdem die Flutwellen der Weißeritz, der Müglitz und der anderen Elbezuflüsse aus dem Osterzgebirge vorüber waren, stieg die aus Tschechien kommende Elbe unaufhörlich und erreichte ebenfalls einen katastrophalen Höchststand. Die Folge war ein Totalausfall der im Hochwasserbereich der Elbe liegenden Wasserwerke Hosterwitz und Tolkewitz. Jetzt bewährte sich das System der Wasserversorgung der Stadt Dresden, das aus diesen beiden Wasserwerken und dem Talsperrenwasserwerk Coschütz besteht. Letzteres bezieht wie bereits erwähnt, sein Wasser aus der Talsperre Klingenberg, deren angeblich fehlerhafte Bewirtschaftung Mitschuld an den Hochwasserschäden in Freital und Dresden zugeschrieben wird. Nunmehr versorgte allerdings ausschließlich diese Talsperre über das Wasserwerk Coschütz die Landeshauptstadt Dresden mit Trinkwasser. Etwa 2 Wochen lang wurde vorübergehend eine zusätzliche begrenzte Wassermenge aus dem Wasserwerk Gottleuba des Trinkwasserzweckverbandes Pirna/Sebnitz, das sein Wasser aus der Trinkwassertalsperre Gottleuba, die ebenfalls von der Landestalsperrenverwaltung bewirtschaftet wird, entnimmt, in das Dresdner Trinkwassernetz eingespeist.

Die Sicherung der Versorgung der Landeshauptstadt mit einwandfreiem Trinkwasser, das den hohen Anforderungen der deutschen Trinkwasserverordnung genügt, war auch eine hervorrgende Leistung der hierfür zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Wasserwerkes Coschütz. In ständiger Abstimmung zwischen den Wasserwerkern und dem Labor der DRWAG einerseits und dem Personal der Talsperren Klingenberg und Lehnmühle sowie dem Labor Paulsdorf der Landestalsperrenverwaltung andererseits wurden die beiden Talsperren so gesteuert, dass immer das Wasser mit der relativ besten Qualität an das Wasserwerk geliefert werden konnte. Das Hochwasser hatte enorme Trübstoffe, die aus den Abschwemmungen der Felder, der Siedlungen und den Auswaschungen des Waldes stammten, in die Talsperren eingespült. Da die Talsperren Klingenberg und Lehnmühle vor dem Hochwasser ausreichend gefüllt waren (die behördlich festgelegten Hochwasserschutzräume waren dabei wie erforderlich frei) und damit erhebliche Wassertiefen aufwiesen, unterlagen die Wasserkörper der für den Sommer typischen Temperaturschichtung, so dass das zufließende relativ warme Hocwasser mit seinen Schmutzstofffrachten sich nicht mit dem gesamten Wasserkörper vermischte, sondern die obere Schicht von ca. 10 m Mächtigkeit aus der Talsperre verdrängte und selbst neu bildete. Allerdings weitete sich diese verschmutzte Schicht allmählich nach unten aus, so dass die Abgabe aus der oberhalb gelegenen Talsperre Lehnmühle mehrfach verändert werden musste, um aus ihr gutes Wasser, das sich auf Grund seiner Temperatur in den Tiefenbereich der Talsperre Klingenberg einschichten konnte, abgeben zu können. Trotzdem traten mehrfach Veränderungen in der Beschaffenheit des Talsperrenwassers auf, die selbst bei sensibelster Steuerung der Talsperrenabgaben nicht zu vermeiden sind. Aber das Wasserwerk Coschütz hat auch diese bewältigt. Gleiches wie für die Talsperren Klingenberg und Lehnmühle gilt auch für die Talsperre Gottleuba und das Wasserwerk Gottleuba.