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Das Three Gorges Project am Yangtze


Vorbehalte und Wirklichkeit



Prof. Dr.-Ing. Peter Rißler (25.06.2002)

Fläche und Bevölkerung

China ist in Nord-Südrichtung 5.500 km und in Ost-Westrichtung 5.200 km ausgedehnt. Mit 9,6 Mio. km2 Fläche ist es fast so groß wie das geographische Europa. Auf dieser Fläche leben 1,2 Mrd. Menschen, 1,6 mal so viel wie in Europa. Die Bevölkerung hat sich in den letzten 50 Jahren, trotz verordneter, einschneidender Geburtenkontrolle (1-Kind-Familie) dramatisch entwickelt (Tabelle1).

Tabelle 1 Bevölkerungsentwicklung Chinas

Jahr Bevölkerung

(in Mio.)
1950 550
1955 610
1960 680
1965 750
1970 820
1975 890
   
   
2000 1.200


China benötigt jedes Jahr 10 Mio. neue Arbeitsplätze, um die auf den Arbeitsmarkt drängenden jungen Menschen unterzubringen.

Klima und Wasserwirtschaft

Im Sommer ist das Klima in weiten Teilen Chinas durch den Südwest-Monsun bestimmt. Ein Tief über den Steppen Asiens und ein Hoch über dem Pazifik saugen feuchtwarme Meeresluft vom Indischen Ozean an und führen sie von Südwesten nach Nordosten über China. Es kommt dadurch im Süden zu einer ausgeprägten Regenzeit, die April/Mai beginnt und Ende September/Anfang Oktober endet.

Im Winter steht China dagegen unter dem Einfluss polarer Festlandsluft aus dem Inneren Asiens, was, speziell im Norden, zu sehr kalten, jedoch trockenen Wintern führt. In Peking, das auf der geographischen Breite von Madrid liegt, werden oft wochenlang –20 ° C gemessen.

China wird durch zwei große, jedoch sehr unterschiedliche Ströme charakterisiert. Im Norden entwässert der Huang Ho, der "Gelbe Fluss", nach Osten. Er durchströmt die großen Löslandschaften des Nordens. Seinen Namen hat er von der ungewöhnlich großen Sedimentfracht (Feststoffanteil 2,9 %, d.h. 60 kg Lehm je m3 Wasser).

Der Yangtze (oder Jangsekiang oder Yangtzekiang oder Chang Jiang ["langer Fluss"] – alle Namen sind bescheidene Versuche, die verschiedenen chinesischen Bezeichnungen zu übersetzen), dessen Verlauf von West nach Ost den Norden vom Süden Chinas trennt, ist mit 6.300 km der drittlängste Fluss der Erde (nach dem Nil und dem Amazonas). Er sammelt das Wasser aus einem Einzugsgebiet, welches 10 mal so groß ist wie das des Rheins. Allerdings fließt 14 mal soviel Wasser ab. Dies weist auf seine Bedeutung, jedoch auch auf seine Gefährlichkeit hin. Um es anders zu formulieren: Er entwässert 19 % der Gesamtfläche Chinas, erfasst jedoch 37 % des gesamten Abflusses.

Im Mittel fließen dort, wo das Three Gorges Project (TGP) errichtet wird, im Querschnitt bei der Stadt Yichang, 14.300 m3/s ab, das ist das 6- bis 7-fache des Rheins bei Duisburg.

Chinesischen Quellen zufolge hat er zwischen dem Beginn der Han- (206 v. Chr.) und dem Ende der Manschu-Dynastie (1911) 214 Hochwasserkatastrophen verursacht. Einige der letzten Großereignisse, über welche glaubhafte Zahlen, auch hydrologischer Art, vorliegen, sind in Tabelle 2 zusammengestellt. Dabei beziehen sich die Schäden durchwegs auf die flachen Ebenen östlich des TGP, also u.a. auf den Großraum Wuhan.

Tabelle 2 Einige dokumentierte Hochwasserereignisse und Schäden

Jahr Spitzenabfluss

(m3/s)
Tote Obdachlose

(Mio. Menschen)
Ackerlandverlust

(Mio. ha)
1788 86.000      
1870 110.000 400.000    
1931 64.600 145.000 28,9 3,4
1996 40.000 1.500    
1998 67.000 3.600 14 25


Energie- und Energienutzung

China besitzt die größten Kohlevorräte der Welt und gleichzeitig das der Welt größte Wasserkraftpotential. Die Kohle liegt in Nordchina. Dort ist sie auch der wesentlichste Energielieferant, führt jedoch bei der zumeist veralteten Kraftwerkstechnik zu erheblicher Umweltbelastung. Im Süden kann dagegen nur auf die Wasserkraftreserven zurückgegriffen werden. Kohletransporte großen Ausmaßes von Nord nach Süd scheitern an den schlechten Verkehrsmöglichkeiten. Insgesamt ist der spezifische Energiekonsum Chinas, also bezogen auf einen Einwohner, noch sehr gering. 1999 verbrauchte der Chinese im Schnitt 822 kWh, der Deutsche 6.725 kWh, also 8,2 mal so viel.

Während in Deutschland eine Sättigungsgrenze erreicht ist, kann dies gegenwärtig in China nicht erwartet werden. Das Land muss, um seinen Entwicklungszielen gerecht zu werden, Kapazitäten dazubauen, im Norden durch neue, moderne und umweltschonenden thermische Kraftwerke, im Süden durch Wasserkraftwerke. Kernkraft spielt bisher in China nur eine sehr kleine Rolle und soll offenbar auch in Zukunft nur bescheiden wachsen.

Verkehr in China

Fernverkehr findet in China derzeit statt über ein funktionierendes Eisenbahnnetz, über ein relativ dichtes Luftverkehrsnetz mit modernem, zumeist westlichem Fluggerät und vielfach sehr moderner Bodeninfrastruktur, sowie auf dem Wasserweg. Das Straßennetz ist nicht leistungsfähig.

Ganz wesentlich sind jedoch die 108.000 km schiffbare Wasserstraßen und die 300 Flusshäfen mit Umschlagmengen über 100.000 t/a. Seit Jahrtausenden hat hier der Yangtze immer eine besondere Rolle gespielt, erlaubt er doch, Waren auf dem Wasserweg weit mehr als 2000 km ins Binnenland zu transportieren. Bis 1900 bot er überhaupt die einzige Möglichkeit, Massengüter in den Kessel von Sichuan zu verbringen. Gegenwärtig können 1000 t Schiffe bis nach Chongqing fahren. Zum Vergleich: Unsere Binnen-Europa-Schiffe verdrängen 1.350 t. Die Route führt jedoch durch die schwierigen Fahrwasser der drei Schluchten (Blasebalg-, Hexen- und Xiling-Schlucht) mit Untiefen, Riffen und Einengungen.

Das Three Gorges Project

Weltweit gibt es derzeit etwa 45.000 Talsperren, davon alleine 25.000 in China. China hat sich in den letzten 50 Jahren zum Zentrum des Talsperrenbaus par excellence entwickelt. Ständig sind mehrere hundert Talsperren im Bau. China hat in dieser Zeit auch wesentlich zu neuen Bauverfahren im Talsperrenbau beigetragen (z.B. RCC = Roller Compacted Concrete, eine Bauweise, bei der Beton spezieller Zusammensetzung mit den Mitteln des Erdbaus und ohne Fugen eingebaut wird).

Die ersten Pläne zum Bau eines gewaltigen Wasserkraftwerks in einer Aufweitung der Xiling Schlucht, etwa 40 km oberhalb von Yichang, wurden bereits kurz nach der Gründung der Volksrepublik Chinas entwickelt. Es war ein Glücksfall, dass dort – im Gegensatz zu dem Kalkstein im weiten Umfeld – kompakter und wenig geklüfteter Granit ansteht, die Untergrundbedingungen also ausgesprochen günstig sind.

Das Projekt verfolgt drei wesentliche Ziele:

  • Es wird für die flachen Bereiche unterhalb von Yichang Hochwasserschutz gewährleisten und bei Hochwässern z.B. der Größe, wie sie 1998 aufgetreten sind, Schäden vermeiden und Menschenleben schützen.
  • Es wird 7 % zur Energieproduktion Chinas beitragen und dabei 50 Mio. t Kohle/a und 180 Mio. t CO2 einsparen helfen.
  • Es wird ermöglichen, dass 10.000 t Schiffe bis nach Chongqing fahren und dass dadurch Sichuan und Westchina weiter erschlossen werden. Man verspricht sich eine Verfünffachung der Transportleistung bei gleichzeitiger Verringerung der spezifischen Kosten um 30 % und – durch den Aufstau – die Eliminierung der bisherigen wegebedingten Gefahren.
Bauliche Komponenten des TGP

Zur Vorbereitung des TGP wurde in den siebziger Jahren bei Yichang, 40 km unterhalb von TGP, bereits eine erste Staustufe, Gezhouba, errichtet. Sie dient als Ausgleichsbecken für TGP (bei unterschiedlicher Abgabe durch das Kraftwerk), produziert bereits seit 20 Jahren Strom und trägt somit zur Finanzierung von TGP bei.

Kern des Three Gorges Project wird ein im Tal des Yangtze aufgestauter See, der 620 km lang und im Mittel 1,6 km breit sein wird. Er reicht von Chongqing bis zum Absperrbauwerk. Er wird mit 1085 km2 etwa doppelt so groß sein wie der Bodensee, wenn auch im Längen- und Seitenverhältnis von völlig anderem Charakter. Der künftige See wird etwa 2 ½ mal so groß sein wie es die Wasserfläche des Yangtze vor dem Einstau ist. Vor dem Einstau müssen 1,1 Mio. Menschen umgesiedelt werden.

An Ingenieurbauwerken besteht das gesamte Projekt aus dem quer über dem Fluss angeordneten Staubauwerk mit den beiden Wasserkraftwerken, einem Schiffshebewerk und zwei parallelen Schleusentreppen mit je fünf Schleusen. Hinzu kommen Hilfseinrichtungen wie z.B. mehrere Seitendämme zum Schutz von Ansiedlungen, unterhalb der Anlage eine Hängebrücke mit 900 m Spannweite und eine eigens zur Erschließung der Baustelle gebaute, 500 km lange Autobahn von Wuhan nach Yichang.

Staubauwerk:

Das Staubauwerk, eine 175 m hohe und 2.309 m lange Gewichtsstaumauer aus Beton, enthält alle zum Betrieb der Stauanlage notwendigen Betriebseinrichtungen, wie Grund-, Betriebs- und Revisionsverschlüsse und ebenso die Durchführungen der 12 m mächtigen Kraftwerkszuleitungen.

Wasserkraftwerke

Im linken und im rechten Drittel des Flussquerschnitts sind – luftseitig der Staumauer – zwei Maschinenhäuser angeordnet, mit jeweils 14 (linke Seite) und 12 (rechte Seite) Maschinensätzen à 700 MW. Diese Maschinen zählen zu den größten der Welt. Gewählt wurden Francisturbinen auf vertikaler Welle. Die 14 Maschinen der linken Seite liefert Siemens/Voith.

Schleusentreppe

Um dem angestrebten Verkehrsvolumen gerecht zu werden und den Höhenunterschied von 113 m überbrücken zu können (die Summe der Hubhöhen am Rhein-Main-Donaukanal zwischen Kelheim und der Scheitelhöhe beträgt 67,8 m), werden zwei Schleusentreppen mit je fünf Schleusen für 10.000 t Schiffe gebaut. Jede Schleuse ist 280 m lang, 34 m breit und im Minimum 5 m tief. Die gesamte Treppe wird künftig von den Schiffen in 2 Stunden durchfahren werden können.

Schiffshebewerk

Da der Durchgang durch die Schleusen für (kleinere) Passagierschiffe zu zeitraubend ist, wird für diese ein eigenes Schiffshebewerk gebaut. Es vermag 3.000 t Schiffe in 15 Minuten um 113 m zu heben und wird nach Fertigstellung die leistungsfähigste Anlage ihrer Art darstellen (Deutschland: Schiffshebewerk Lüneburg, 1.350 t, 38 m).

Gesamtkosten

Die chinesischen Projektbetreiber hatten die Kosten 1994 wie folgt veranschlagt:

Für Investitionen 90,1 Mrd. Yüan

davon für Umsiedlungen 36 Mrd. Yüan

Inflation und Währungsschwankungen 74,9 Mrd. Yüan

Finanzierungskosten 38,9 Mrd. Yüan

---------------------

203,9 Mrd Yüan

dies entspricht 25,5 Mrd. US0br />
Im November 2000 wurde der Weltöffentlichkeit mitgeteilt, dass die Gesamtkosten voraussichtlich bei nur 196,8 Mrd. Yüan (24,6 Mrd. US0 liegen werden.

Zeitplan und Personaleinsatz

Mit dem Bau des TGP wurde 1993 begonnen. 2003 soll das linke Kraftwerk bereits in Betrieb gehen, das rechte 2008. Soweit ersichtlich, halten die Chinesen ihren Zeitplan ein.

Auf der Baustelle arbeiten gegenwärtig 28.000 Personen.

Das Umsiedlungsprogramm

In China wurden in den letzten fünf Jahrzehnten für Infrastrukturvorhaben 45,1 Mio. Menschen umgesiedelt (Tabelle 3). Hinzu kommen Millionen, die aus politischen Gründen, z.B. während der Kulturrevolution, vertrieben oder deportiert worden sind. Hinzu kommen Millionen von Wanderarbeitern. China ist also gegenwärtig in weit höherem Maße in Bewegung als z.B. Deutschland bzw. seine Einwohner. Bezogen auf die derzeitige Bevölkerung hat etwa jeder 25. Einwohner in den letzten 50 Jahren einem Infrastrukturprojekt weichen müssen. Umgerechnet auf die gegenwärtige deutsche Einwohnerzahl würde dies 3 Mio. Menschen bedeuten.

Tabelle 3 Umsiedlungen in China in den letzten Jahrzehnten (in Mio. Menschen)

Grund 50er 60er 70er 80er 90er gesamt in %
Talsperren 4,6 3,2 1,4 1,0 2,0 12,2 27
Transportwege 2,5 0,9 2,7 1,3 2,0 9,4 21
Stadterneuerung 1,5 1,3 2,6 8,5 9,6 23,5 52
insgesamt 8,6 5,4 6,7 10,8 13,6 45,1 100


Tabelle 3 weist aus, dass ein Viertel aller Umsiedlungen durch den Bau von Talsperren verursacht worden ist. Vor dem Einstau des TGP-Speichers müssen 1,1 Mio. Menschen umgesiedelt werden. Diese für europäische Verhältnisse unvorstellbare Zahl ist es in erster Linie, welche hierzulande Animositäten gegen das Projekt weckt. Dabei ist allerdings mehrerlei zu berücksichtigen:

Das Projekt ist in der Örtlichkeit seit 50 Jahren bekannt. Der chinesische Staat, zentral wie regional, hat die Umsiedlungsproblematik bereits seit langem durch Gesetz und Ausführungsverordnungen geregelt. Die begreifliche Skepsis der westlichen Sicht (u.a. auch der Weltbank), ob dies denn auch in der Realität zu erträglichen Bedingungen für die Umzusiedelnden führt, ist mit einem Zitat aus einer im März 2000 erschienenen Studie zu beantworten:

"Die Umsiedlungspolitik und die Entschädigungsgrundsätze werden ständig verbessert, und die Wiederherstellung des Lebensunterhalts ist Bestandteil aller Umsiedlungsprojekte."

Die World Commission on Dams, aus deren Materialien für den Abschlussbericht diese Studie stammt, kann keineswegs als talsperrenfreundlich gelten. Wenn also aus dieser Quelle die vorstehende vergleichsweise freundliche Beurteilung kommt, so dürfte sie wohl der Realität entsprechen.

Die chinesische Administration schafft bereits seit Jahrzehnten die städtebaulichen Voraussetzungen für die Umsiedlung, indem alte flussnahe Wohnquartiere nicht mehr saniert werden und dafür flussfernere (was oftmals wegen der Steilheit der Hänge nur wenige hundert Meter bedeuten muss) neue Stadtviertel errichtet. Es gehört für den Besucher der Three Gorges Region zu den markantesten Eindrücken, dass überall über dem späteren Stausee des Speichers neue und große Siedlungen entstehen.

Für die Stadtbevölkerung ist die Umsiedlung leichter lösbar. Auch ist es im Regelfall möglich, nicht nur Wohnstätten, sondern auch Erwerbsmöglichkeiten neu zu schaffen. Schwieriger wird es für die bäuerlichen Betriebe. Entlang des späteren Speichers gehen 288 km2 landwirtschaftliche Flächen verloren, nach glaubhaften Angaben chinesischer Quellen 74 km2 Reisfelder, 164 km2 sonstige Felder und 50 km2 Obstgärten. Teilweise werden diese Betriebe ebenfalls nur weiter oben neu angesiedelt und mit neuen Flächen ausgestattet. Da das Dargebot allerdings begrenzt ist, müssen viele Betriebe auch in größere Entfernung verlegt werden. Der RTV hatte mit diesem Problem seinerzeit, bei der Planung der Negertalsperre, ebenfalls zu kämpfen. Es ist systemimmanent mit dem Talsperrenbau verbunden.

Nach Angaben der chinesischen Gesprächspartner sind bisher ca. 300.000 Menschen umgesiedelt worden.

Vorbehalte und Wirklichkeit

Gegner des Projekts hier in Deutschland verweisen in ihrer Argumentation stets auf eine Reihe von Nachteilen, aus denen sie ihre Ablehnung herleiten. Hierzu soll stichwortartig Stellung genommen werden.

Speicher trägt kaum zum Hochwasserschutz bei, weil das meiste Wasser dem Yangtze erst unterhalb der Sperrenstelle zufließt

Stimmt nicht: Gesamteinzugsgebiet des Yangtze 1,8 Mio. km2, davon oberhalb der Sperrenstelle 1,0 Mio. km2. Zudem fällt der meiste Niederschlag nicht im Osten Chinas, sondern – bedingt durch den Monsun – im Westen.

Hochwasserschutz ist nur deshalb notwendig, weil die Chinesen zuvor die Wälder abgeholzt haben

Stimmt nicht: Wohl hat China im Oberlauf des Yangtze in den vergangenen Jahrzehnten in großem Maße Holz eingeschlagen, doch gibt es die Hochwässer nicht erst seit dieser Zeit. Chinesische Aufzeichnungen berichten über 214 Hochwasserkatastrophen während der Kaiserzeit.

Man wird in Wirklichkeit den Hochwasserschutz zugunsten der Energieerzeugung vernachlässigen.

Kaum vorstellbar angesichts der vielen Millionen Menschen, deren Leben im Hochwasserfall bedroht ist. Außerdem ist China heutzutage gegenüber früher ein Land mit freier Informationsmöglichkeit. Ein Versagen dieser Anlage, in der sich das Staatsprestige dermaßen manifestiert, beim Hochwasserschutz, hätte die ernstesten Konsequenzen für das Staatsgefüge.

Der Stausee wird schnell verschlammen.

Der Yangtze führt jedes Jahr 520 Mio. m3 Sediment zu Tal. Diese Zahl bezieht sich auf den gesamten Flusslauf bis zur Mündung. Jedoch, selbst wenn diese Menge vollständig durch den Speicher transportiert und vollständig dort abgelagert würde, könnte der Speicher 150 Jahre lang das Sediment aufnehmen.

Außerdem: Das Sediment besteht zu 88 % aus Feinteilen (Lehm), die bei Strömung in der Schwebe bleiben. In Engbereichen des späteren Speichers wird es daher auch später nicht zu größeren Ablagerungen kommen. Höhere Sedimentationsraten könnten sich vermutlich nur nahe dem Staubauwerk ergeben. Doch lässt sich hier durch eine Kombination von Spülung und Baggerung Abhilfe schaffen.

Nach intensiven chinesischen Studien wird auch nach 100 Jahren der HW-Schutzraum (22 Mrd. m3) noch vollständig zur Verfügung stehen.

Die Chinesen sollen mit der Energie haushalten.

Ein pharisäerhafter Spruch angesichts der Tatsache, dass der Kritiker aus Deutschland 8,2 mal soviel Energie verbracht wie sein chinesischer Mitmensch.

Es wird ein riesiger Stausee geschaffen mit großen Auswirkungen auf das Klima.

Der neue Stausee ist flächenmäßig nur 2,4 mal so groß wie der bisherige Flusslauf im gleichen Bereich.

Es gehen große Mengen landwirtschaftlicher Flächen verloren.

Wohl gehen 288 km2 landwirtschaftliche Flächen verloren. Jedoch ist dies in Beziehung zu setzen dazu, dass bei Hochwässern ungleich mehr landwirtschaftliche Flächen vernichtet werden, so 1998 250.000 km2.

Das Naturwunder der drei Schluchten wird dem Stausee zum Opfer fallen.

Die Berge am Rand des Yangtze sind im fraglichen Bereich 1.000 m und mehr hoch. Auch nach dem Einstau des Speichers wird das Bild der Schluchten erhalten bleiben.

Bei kriegerischen Auseinandersetzungen entsteht die Gefahr einer Zerstörung mit unabsehbaren Folgen für die Unterlieger.

Diese Problematik gilt für alle Talsperren der Welt, soweit unterhalb viele Menschen leben. Im Fall des TGP ist diese Problematik mit Sicherheit bei der chinesischen Regierung präsent.

Der Staudamm stellt für die Unterlieger eine große Gefahr dar.

China besitzt 25.000 Talsperren. Die chinesischen Fachkollegen können daher zu den erfahrensten der Welt gezählt werden.

Es sind riesige Umsiedlungen notwendig, die brutal durchgeführt werden.

Die vorstehend zitierte Feststellung aus den WCD Materialien steht dieser Auffassung entgegen.